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Streuobstwiesen sind lebendiger Klima- und Artenschutz

Über den Wert von Streuobstwiesen, ein junges Unternehmen namens Klimawiese und blühende Ideen auf die Frage „Was kann ich für den Klimaschutz tun?“


Flyer mit Infos zum Quadrex Landgut und grüner Sprechblase „Streuobstwiesen sind lebendiger Klimaschutz – regional, gesund und nachhaltig.“
Das Quadrex Landgut in Ammerbuch ist ein gutes Beispiel für ökologisches Engagement vor Ort

Als Texterin gehört eine blühende Fantasie neben dem ABC zur Grundausstattung meines Werkzeugkastens. Und die Natur ist quasi mein Baumarkt, der für Nachschub sorgt. Nicht nur wenn die Bäume oder Wiesen blühen, das ganze Jahr über tanke ich in der Natur Energie für Ideen.

 

Kürzlich habe ich für einen Flyer (im Bild links) zum Thema Streuobstwiesen recherchiert. Und dabei viel Neues gelernt. Das ist übrigens mit der tollste Nebeneffekt an meinem Beruf als Texterin – ich werde dafür bezahlt, meine Neugier zu stillen und ständig dazuzulernen.

 

Begeisterungsfähig wie ich bin, teile ich das neugewonnene Wissen in diesem Blogartikel – über Streuobstwiesen, Artenschutz und Apfelbäume.

Klimawiese: Mitmach-Angebote fürs Klima

Bei der Recherche über die Natur von Streuobstwiesen stieß ich auf ein junges Unternehmen aus Berlin. Die Idee von „Klimawiese“: Brachland umwandeln in Streuobstwiesen, Wildblumen- und Bienenweiden. Zugegebenermaßen war mein erster Gedanke: Warum sitzen die coolen Unternehmen scheinbar immer in Berlin? Ich meine, hallo, das Streuobstwiesen-Mekka Schwäbische Alb liegt direkt vor meiner Haustür, wieso finden sich dann solche Start-ups knapp 700 Kilometer nordöstlich davon? Darauf folgte zum Glück bienenschnell die Einsicht: Was für eine schöne Idee und was für eine gutgemachte Website, mit tollen Grafiken und klarem Aufbau.

 

So funktioniert's:

Auch wer keine brachliegende Wiese hat, kann die Projekte unterstützen, ob finanziell oder vor Ort. Keineswegs nur in Berlin, sondern mittlerweile auch in der Nähe von Stuttgart. Taugt auch als Geschenkidee für Menschen mit grünem Herzen oder Daumen, so eine Apfelbaum-Patenschaft oder Blühpatenschaft.

 

Frau auf Blumenwiese, darauf steht "Patenschaften für Klima und Artenvielfalt" von Klimawiese
Ansprechender Einstieg: Motiv der Startseite von Klimawiese.

Streuobstwiesen FAQ

Zweige mit roten Äpfeln vor blauem Himmel

Was unterscheidet eigentlich eine Streuobstwiese von einer Obstplantage? Darüber habe ich mir ehrlich gesagt bis vor ein paar Wochen nie Gedanken gemacht. Obwohl ich die Obstplantagen am Bodensee oder in Südtirol oft gesehen habe, in denen die Obstbäumchen („Bäume“ wäre übertrieben) aufgereiht stehen wir Klonkrieger. Dabei lebe ich nur einen Apfelwurf von einer professionellen Streuobstwiese entfernt. In meiner Nachbarschaft residiert nämlich der örtliche Obst- und Gartenbauverein. Auf seinen lehrbuchgepflegten Wiesen finden hin und wieder Kurse in Baumschnitt und naturnahem Gärtnern statt. Bislang, ich gestehe es freimütig, ohne meine Teilnahme.


Wie unterscheiden sich Streuobstwiesen von Obstplantagen?

An für sich fällt der Unterschied zwischen modernen Obstplantagen und traditionellen Streuobstwiesen direkt ins Auge. In Obstplantagen stehen meist die Sorten dichtgedrängt in langen Reihen. Mit ihren niederen Stämmen gleichen sie oft eher Büschen als Bäumen. Sie sind auf maximalen Ertrag ausgelegt und bringen diesen bereits drei bis fünf Jahre nach Pflanzung. Damit das Obst möglichst makellos heranwächst, sind die Bäume oft verhüllt: Schutznetze sollen Hagel sowie hungrige Vögeln und Wespen abhalten.

 

Auf Streuobstwiesen stehen dagegen hochstämmige Bäume über die Wiese verstreut. Die Obstbäume sind oftmals erst nach zehn Jahren ausgewachsen, bringen also aus wirtschaftlicher Sicht erst viel später einen in der Regel geringeren Ertrag als die Plantagenbäume. Wie groß ihr Wert dennoch ist, dringt seit einigen Jahren wieder stärker in unser Bewusstsein.

 

Sonne fällt durch Mirabellenbaum, an dem Nistkasten hängt

Warum sind Streuobstwiesen wertvoll für Klima und Artenvielfalt?

Pferde grasen zwischen Obstbäumen neben Wald und Holzstapel

Auf Streuobstwiesen wie auch auf Obstplantagen wächst Obst. Damit hätten wir die Gemeinsamkeiten auch schon abgehakt. Denn anders als moderne Obstbaugebiete dienen Streuobstwiesen mehr als einem Zweck. Ihre verstreut stehenden Bäume binden mehr CO2 und bieten Vögeln und Insekten Lebensräume (manchmal auch Pferden, wie im Bild links). Sonnenlicht dringt gut hindurch und begünstigt eine artenreiche Vielfalt aus Gräsern, Wildblumen, Stauden und Kräutern. Artenreichtum ist überhaupt das Stichwort: Irgendwo zwischen 3.000 und 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden auf klassischen Streuobstwiesen eine Heimat.

 


3 Fakten über Streuobstwiesen

  1.  bedeuten aktiven Klimaschutz, indem sie schädliches CO2 binden und die Atemluft mit Sauerstoff anreichern
  2. sind Biotope der Artenvielfalt, indem sie Pflanzen und Tieren Lebensraum sowie Nahrung bieten
  3. sind als Ökosystem selbst vom Aussterben bedroht: der NABU beziffert ihren Rückgang in Deutschland und Mitteleuropa in den vergangenen 40 Jahren auf rund 75 %

 

Fun Facts

 

Ob Apfel, Kirsche oder Zwetschge: Streuobstwiesen sind ein Fundus an Vielfalt. Es gibt allein an die 30.000 Apfelsorten weltweit. In Deutschland sind rund 2.000 Sorten bekannt, von denen sich aber nur ungefähr 12 im Supermarkt wiederfinden. Wer seine eigenen Äpfel anpflanzt, kann das ändern. Also auf zu seltenen Sorten 😉

 

Blick in die Geschichte der Streuobstwiesen

 

Streuobstwiesen wirken wie aus der Zeit gefallene Landschaften. Tatsächlich ist diese Landschaftsform ein altes Konzept: Noch bis in die 1950er Jahre hatten viele Dörfer und Siedlungen intakte Streuobstwiesengürtel. Inzwischen sind diese oftmals Straßen und Bebauungsplänen zum Opfer gefallen – und zählen selbst zu den in Mitteleuropa am stärksten gefährdeten Biotopen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzt, dass höchstens noch 25 Prozent der ursprünglichen Streuobstwiesen vorhanden sind. Doch so wie immer mehr Menschen Hobby-Imker werden, um das Bienensterben aufzuhalten, engagieren sich auch Menschen für das den Erhalt von Streuobstwiesen und die Renaturierung von Brachen. Ein Beispiel ist das Quadrex Landgut südlich von Stuttgart, das mithilfe von naturnahem Obstbau, Imkerei und Weidewirtschaft dazu beitragen will, den Streuobstgürtel um das Dorf Altingen wiederherzustellen. Zudem wollen die Initiatoren des Landguts die Begeisterung für heimische Streuobstwiesen in möglichst viele Bevölkerungsgruppen tragen – damit die Geschichte der Streuobstwiesen weitergeht.

 

How to: Wie wird die Wiese zur Streuobstwiese?

Wer selbst eine Streuobstwiese anlegen oder eine bestehende pflegen möchte, kann sich beispielsweise einem Gartenbauverein oder Initiativen wie dem Naturschutzbund NABU anschließen. Oder auch alleine loslegen. Allerdings lohnt es sich selbst beim Bepflanzen des eigenen kleinen Gartens, gewisse Grundsätze zu kennen (wie ich leider auch erst vor kurzem erfahren habe – hallo Kirschlorbeer vor meinem Küchenfenster…). So sind die bei Gartenbesitzern beliebten Kirschlorbeer- und Thuja-Sträucher für Vögel und Insekten eher wertlos. Wer diesen ein Zuhause bieten möchte, ist mit einheimischen Pflanzen besser beraten. Tiere wie Insekten freuen sich über Sträucher wie Brombeere, Hainbuche, Haselnuss, Liguster, Schlehe oder Weißdorn. Also weg mit den ollen Thuja-Hecken 😉

 


Zum Weiterlesen habe ich hier eine Sammlung mit Links zusammengetragen (für deren Inhalt und Funktion keine Gewähr):

 

1. Zum Thema Streuobstwiese anlegen

 

https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/nutzgaerten/streuobstwiese-anlegen-37071

 

https://www.gartenjournal.net/streuobstwiese-anlegen

 

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/unternehmensnatur/index.html

 

https://www.merkur.de/leben/wohnen/gartenpflanzen-umwelt-natur-artenvielfalt-hecken-kirschlorbeer-bambus-forsythie-90819399.html

 

 

2. Quellen und weitere Infos zu Streuobstwiesen:

 

https://www.klimawiese.de/oekobilanz-einer-wiese/

 

https://gartenbauvereine.de/saarland_rheinland-pfalz/streuobst/obstwiesen/definition-streuobst

 

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/landwirtschaft/streuobst/

 

https://www.nabu-muenster.de/projekt-obstwiesenschutz/ehre-wem-ehre-geb%C3%BChrt/regional-plus-fair-f%C3%BCr-mensch-und-natur-2014/

 

3. Noch mehr Anregungen

 

„In der Gegenwart sterben hundert Mal mehr Arten aus als bei einer natürlichen, evolutionsbedingten Rate zu erwarten wäre“: Terra-X-Reporter und Artenschützer Dirk Steffens mit einer aufrüttelnden Dokumentation, zu sehen in der ZDF Mediathek:

 

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/artensterben-die-fakten-mit-dirk-steffens-100.html

 

Selbst aktiv werden: Verhaltensforscherin Jane Goodall motiviert mit ihrem Roots & Shoots Programm Kinder und Jugendliche weltweit, sich für Umwelt, Tiere und Menschen einzusetzen.

 

Lust auf mehr Natur im (Arbeits-)Alltag? Eine Checkliste mit Ideen ist Teil meines Blogbeitrags „Glück ist Grün und riecht nach Freiheit“.

Möchten auch Sie Ihr Engagement für Umwelt und Klima nach außen tragen? Sprechen Sie mit mir über Ihre Texte.


Bildnachweis:

Quadrex Landgut Flyer: Gestaltung PM Design, Text: Wandelpunkt

Grafik "Patenschaften": www.klimawiese.de

Fotos: privat

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