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Mikroplastik: Kleine Teile, tonnenschwere Probleme

Sind Mikroplastikfilter an Waschmaschinen sinnvoll? Ein Selbstversuch:

PlanetCare Filter an Waschmaschine montiert
Der Filter rechts an unserer Waschmaschine sammelt Mikrofasern

Wir alle essen Plastik. Durchschnittlich eine Kreditkarte pro Woche. Natürlich nicht mit Absicht, doch unvermeidlich. Denn Mikroplastik ist inzwischen so gut wie überall auf der Erde. Es steckt in der Arktis, in den Meeren und seinen Bewohnern, in der Atemluft, in Obst und Gemüse – und eben auch in uns Menschen. Dabei sind wir die Quelle der Mikroplastikflut. Neben dem Abrieb von Reifen, Schuhsohlen und Kunststoffverpackungen zählen Textilien zu den großen Verursachern. Mit Waschmaschinen-Filtern hat das slowenische Start-up PlanetCare eine Lösung für das Problem eingefädelt.

Was ist Mikroplastik?

Per Definition gelten synthetische Polymere als Mikroplastik, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie entstehen zum einen aus dem Zerfall größerer Plastikteile und werden zum anderen gezielt hergestellt, zum Beispiel für Kosmetikprodukte wie Shampoos.

Wie tragen unsere Kleider zur Verschmutzung bei?

Kleidung aus Kunstfasern wie Acryl, Elastan und Polyester zählt zu den typischen Verursachern von Mikroplastik. Rund 60 Prozent unserer Bekleidung besteht aus Kunstfasern. Abrieb löst beim Waschen Fasern aus den Kleidungsstücken. Je höher die Waschtemperatur, desto mehr wird das Gewebe angegriffen. Ein deutscher Durchschnittshaushalt schwemmt so übers Jahr etwa eine Plastiktüte voller Mikroplastik ins Abwasser und von dort ins Meer. Weltweit stammen mehr als 35 Prozent des Mikrofasern in den Meeren aus Waschmaschinen[1].



[1] https://planetcare.org/de/

Ein deutscher Durchschnittshaushalt schwemmt beim Wäsche waschen übers Jahr etwa eine Plastiktüte voller Mikroplastik ins Abwasser. 

Wie kann ich Mikroplastik vermeiden?

ü  Weniger Kunstfasern kaufen

ü  Kunstfasern selten waschen

ü  Niedrige Waschtemperatur wählen

ü  Kleidung Second Hand kaufen oder reparieren

ü  Mikroplastik filtern

Können Kläranlagen das Filtern von Mikroplastik übernehmen?

Moderne Kläranlagen filtern bis zu 99 Prozent des Mikroplastiks aus dem Abwasser. Allerdings besitzen nicht alle Ländern der Erde moderne Kläranlagen. Und natürliche Gewässer wie Meere und Bergseen eben auch nicht. Dazu kommt: Viele Länder verwenden den Klärschlamm als Düngemittel. So gelangt das aus dem Abwasser gefilterte Mikroplastik doch wieder in den Kreislauf. Wer dazu mehr lesen will: Hier ein anschaulicher Artikel auf Englisch „Why Wastewater Treatment Plants are NOT the Solution for Microfiber Pollution?

Eine Übersicht zur Herkunft von Mikroplastik von Statista, Quelle Fraunhofer-Institut
https://de.statista.com/infografik/19167/pro-kopf-emissionen-von-mikroplastik-in-deutschland/

Eine Lösung für Zuhause: Filter an die Waschmaschine

Filterkartuschen für Mikroplastik voll und leer
Filterkartusche voll (rechts) und leer (links)

Schweden hat 2018 als erstes europäisches Land Mikroplastik in Kosmetika verboten. In Frankreich müssen neue Waschmaschinen ab 2025 einen Mikroplastikfilter aufweisen. In Deutschland wartet man auf eine EU-weite Regelung. Oder wird selbst aktiv: Zum Beispiel mit einem Filter an der eigenen Waschmaschine. In Slowenien gründete Mojca Zupan mit ihrem Team PlanetCare. Das Unternehmen bietet kommerzielle Mikroplastik-Filter inklusive Entsorgung an. Alternativ gibt es auch Wäschebeutel wie zum Beispiel den Guppyfriend. Dieser soll den Abrieb beim Waschen vermeiden und Mikroplastik auffangen. Wie gut das funktioniert, ist allerdings noch nicht erwiesen.

PlanetCare im Test

Inspiriert von einem Artikel im Magazin enorm[1] habe ich Anfang 2022 ein Startpaket bei PlanetCare bestellt. Es bestand aus einer Filterhülle und sechs Filterkartuschen. Die Montage an der Waschmaschine war einfach – es braucht kein handwerkliches Talent.

Anders als erwartet füllte sich die erste Kartusche in nur sieben Waschgängen, dabei sollte sie 15 – 20 Wäschen halten. Woran auch immer es lag: Die zweite und alle weiteren Kartuschen hielten meist an die 20 Wäschen durch, also alles bestens. Einmal habe ich bislang einen Karton voll verschmutzter Kartuschen gegen neue ausgetauscht. Dabei erwies sich das PlanetCare Team als sehr hilfsbereit. Sie veranlassten die Abholung der gebrauchten und schickten rechtzeitig einen Satz neue Filterkartuschen. Übrigens reinigt PlanetCare die Kartuschen und lagert die Mikrofasern mit dem Ziel, diese wiederzuverwenden oder zu recyceln.

 



[1] https://enorm-magazin.de/wirtschaft/social-business/social-startup/hier-geht-die-zukunft-auf-start-ups-in-osteuropa

Wie für viele Probleme würde ich mir auch für Mikroplastik eine landesweite, EU-weite oder am besten globale Lösung wünschen. 

Fazit: Mit etwas Aufwand ein gutes Gewissen

PlanetCare Filter an Waschmaschine montiert, Nahaufnahme
Die Filtereinheit soll verhindern, dass Mikroplastik ins Abwasser gelangt

Wie für viele Probleme würde ich mir auch für Mikroplastik eine landesweite, EU-weite oder am besten globale Lösung wünschen. Doch solange es diese nicht gibt, ist PlanetCare eine Idee, um selbst ins Tun zu kommen. Denn oft fühlen wir uns angesichts der großen Weltprobleme hilflos und unbedeutend. Dem ist nicht so – wir können bewusst konsumieren, Plastik vermeiden, das Auto öfter stehen lassen und vieles mehr. Der Mikroplastikfilter an der Waschmaschine ist einer von vielen kleinen Schritten zu mehr Selbstwirksamkeit und Umweltschutz. Wie die meisten dieser Schritte kostet er etwas Aufwand – und Geld:

 

Was kostet der Filter für die Waschmaschine?

Konkret beläuft sich das Filtersystem für 120 Waschgänge derzeit auf rund 50 Euro. Eine Filterkartusche hält 15 bis 20 Wäschen. Wenn ich acht Mal im Monat wasche, reicht das Set für 15 Monate und kostet damit 3,30 € pro Monat.


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